Unternehmensfinanzierung 1.0 kommt wieder in Mode: Käse bürgt für den Traktorkauf – Alles Käse oder was?

Das Geschäftsbanken in den letzten Jahren die Wirtschaft immer weniger mit Geld versorgt hat ist ein Fakt, obwohl es die eigentliche Kernaufgabe ist. Entweder werden Kredite an Unternehmen gar nicht vergeben oder zu sehr hohen Zinssätzen. Nun gibt es in Italien eine sehr interessante Entwicklung.

Das Finanzhaus Credito Emiliano hat über seine Tochtergesellschaft Magazzini Generali delle Tagliate ihr Geschäftsmodell neu ausgerichtet. Das Finanzhaus stellt u.a. für die italienische Käseindustrie Lagerhäuser für Käsehersteller die keine oder nicht genug eigene Lagerkapazität für den produzierten Käse zur Reifung haben gegen eine Gebühr zur Verfügung.

Nun kommt der Clou: Der eingelagerte Käse kann als Sicherheit zur Unternehmensfinanzierung durch die Käsehersteller genutzt werden. So bürgt zum Beispiel der eingelagerte Käse für eine Traktorfinanzierung oder für sonstige Produktionsmaschinen. Dadurch wird die Wirtschaft wieder besser mit Geld versorgt und führt damit in diesem Fall das Geldhaus zurück zu den eigentlichen Wurzeln der Bankenwelt: Die Geldversorgung der Realwirtschaft.

Mit der Lagerhaus Dienstleistung wird das Geldhaus zum Bestandteil der Wertschöpfungskette seiner Kunden und nimmt damit eine Rolle in der  Realwirtschaft ein. Damit kennt das Geldhaus alle Details seiner Kunden und der Branche, da sie viel näher an ihre Kunden heranrücken. „Mittendrin, statt nur dabei“, lautet die Strategie. Das Gespür des Finanzhauses für Märkte und Kunden sowie die Antizipationsfähigkeit für künftige Marktentwicklungen wird dadurch auf eine simple Art und Weise exzellent sichergestellt.

Darüber hinaus werden dabei wertvolle Informationen über die Kunden zur Bewertung ihrer wirtschaftlichen Situation gewonnen, die wiederum viel wertvoller und präziser sind als betriebswirtschaftliche Auswertungen das alleine jemals sein könnten. Das hat in diesem Beispiel den Effekt, dass das Kreditausfallrisiko bei Finanzierungen viel besser eingeschätzt werden kann und der tatsächliche Forderungsausfall absolut gering ist. Dieser Sachverhalt wird auch durch Prof. Nikolaos Trichakis von der Harvard Business School bestätigt. Er bringt das Vorzeigebeispiel auf den Punkt: „Banken reduzieren ihr Kreditausfallrisiko und Unternehmen kommen günstig an Kredite. Eine echte Win-Win Situation“, so der Wissenschaftler.

Dieses Beispiel eindrucksvoll auf, dass nicht nur und ausschließlich der sogenannte Königsweg „Digitalisierung“ neue Wachstumschancen eröffnet. In der Mischung von analogen und digitalen Geschäftsmodellen liegt unserer Meinung nach das Erfolgsgeheimnis. Siehe hierzu auch unsere Ansichtssache. Die Realwirtschaft aus Bankensicht zu vernachlässigen ist offenbar fahrlässig. Das „einklinken“ in die Wertschöpfungsketten der  Realwirtschaft bietet unserer Meinung nach auch enorme Chancen, sofern man seine Kunden dort abholt wo sie auch sind und sei es im Käselagerhaus. Lesen Sie zum Thema „Kunden abholen“  auch unseren Artikel vom 03.10.2015.
Die Mischung analoger und digitaler Produkte sowie Services macht den nachhaltigen Geschäftserfolg aus und streut zudem wirkungsvoll wirtschaftliche Risiken (Analog zur Markowitz‘ Portfolio-Selection Theorie) in einem Geschäftsmodell aus.

Markowitz führte erstmals einen wissenschaftlichen Nachweis über die positive Auswirkung von Diversifikation auf das Risiko und mögliche Rendite des Gesamtportfolios an Kapitalmärkten.  Dieses Prinzip gilt auch für das Geschäftsmodelldesign.  Die Mischung (hier nun im Sinne der Diversifikation des geschäftlichen Risikos) von Geschäftsmodellen mit analogen und digitalen Anteilen oder verschiedenen Produkten bzw. Services für verschiedene Zielmärkte zeichnen stabilere und für Risiken unanfälligere Geschäftsmodelle aus unternehmerischer Sicht aus.
Also, denken und handeln Sie in Ihrem Interesse analog sowie digital.
Viel Erfolg!

Herzlicher Gruß
Ihr Dirk Stein

PS:
Ein historisches Beispiel für mehr Kundennähe war  im Jahr 1927 die Gründung der SCHUFA.

„Die Gründungsgeschichte der SCHUFA beginnt bei der Berliner Elektrizitätswerke AG (BEWAG): Der Stromerzeuger versorgte nicht nur immer mehr Privathaushalte mit Strom, sondern verkaufte auch Elektrogeräte, um die Kapazitäten gleichmäßig auszulasten. Staubsauger oder Kühlschrank können mit dem „Elektrissima-Finanzierungs- und Teilzahlungssystem“ in Raten abgezahlt werden, die der Stromableser bei seinen Hausbesuchen einfach zusammen mit der Stromrechnung kassierte. Die BEWAG war bestens über die Bonität ihrer Kunden informiert.“
(Quelle: https://www.schufa.de/de/ueber-uns/unternehmen/geschichte-schufa/  Abgerufen am 09.10.2015)