Unicorns / Start-Ups: Korrekturen bei Unternehmenswerten

Wir berichteten bereits am 25.08.2015 über die Problematik der Wertermittlung für die Unternehmensbewertung von Start-Ups und insbesondere für die sogenannten Unicorns, die mit mindestens 1 Milliarde US Dollar bewertet sind. Der Unternehmenswert wird schlicht und einfach daraus gebildet, welcher Investor,  welchen Anteil zu welchem Preis erworben hat und die Addition der Anteile auf 100% ergibt dann mit Ihren Kaufpreisanteilen den Unternehmenswert. Die Werthaltigkeit dieser Unternehmenswerte wird durch die Investoren zunehmend in Frage gestellt. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob der Kapitalmarkt, die dann hohen (oder überhöhten?) Preise für Unternehmensanteile in Form von Aktien, überhaupt zu zahlen bereit ist.

Damit ergibt sich für die Investoren ein Exitproblem für Ihre Beteiligungen. Anbei ein paar Ereignisse der letzten Wochen als Beispiele: Dropbox wurde von seinen Investoren um mehrere Milliarden Dollar abgewertet, Snapchats Unternehmenswert wurde in den letzten Tagen von 16 auf 12 Milliarden US Dollar gestutzt, Hello Fresh von Rocket Internet hat in dieser Woche bekanntgegeben seinen IPO zu verschieben und die Liste ließe sich fast beliebig fortsetzen.

Im November diesen Jahres soll Square, ein Kreditkartenabrechner, an die Börse. Square schreibt tiefrote Zahlen. Es wird interessant sein, ob dieser Börsengang bei den derzeitigen Rahmenbedingungen überhaupt zustande kommt.

Experten der Beteiligungsbranche sehen die Zeit einer Auslese gerade erst begonnen. Alles steht auf dem Prüfstand. Es wird für die Start-ups und Investoren vermutlich sehr eng werden, sehr bald kräftig Kasse machen zu können.

Das Vertrauen in die Geschäftsmodelle der Unicorns wird zudem immer weiter strapaziert. Uber zieht sich mit Regelmäßigkeit aus definierten Märkten zurück, wie zuletzt in einigen deutschen Städten oder in Frankreich. Ein Volksbegehren in airbnb´s  Heimatstadt San Francisco für ein Verbot von Untervermietung wurde Anfang November 2015 nur knapp mit 55% der Stimmen verhindert. Wer sagt eigentlich, dass nicht viele andere Städte auf dieser Welt nicht auch auf diese Idee kommen können und airbnb`s Geschäftsmodell damit in Frage stellen könnten. Für geplante IPOs ist das pures Gift. Eine unübersichtliche Gemengelage.

Ob es sich um Phantasiebewertungen der Investoren handelt oder nicht, wird sich zeigen. Fakt ist aber, dass eine Korrektur eingesetzt hat, um die die Schiefstände der ausserbörslichen und börslichen Unternehmensbewertungen zu korrigieren. Offenbar war das notwendig und sinnvoll.

Wir werden mit dem etwaigen bevorstehenden IPO von Square sehen, wo die Reise weiter hingeht und ob es ein positives Thanksgiving für die Investoren geben wird.

Herzlicher Gruß
Ihr Dirk Stein