Mehr Innovation: IBM überdenkt seine Entwicklungsprozesse

Phil Gilbert (siehe Foto. Quelle: IBM) ist der Mann der die Produkt- und Servicentwicklung bei IBM  besser machen soll. Gilbert ist 59 Jahre alt und wird als Jeanstyp mit Cowboy Stiefeln beschrieben. Sie lesen richtig! Wie das zur dunkelblauen Anzug- und Krawattenwelt der IBM passen soll, so wie IBM bekannt ist, ist noch nicht vollends klar. Eines steht jedoch fest: Der Kulturwandel bei IBM ist eingeläutet.

Damit folgt IBM anderen prominenten Unternehmen, wie zuletzt in dieser Woche auch Siemens mit seiner neuen Start-Up Holding. Der Siemens CEO Joe Kaeser hat am 08.12.2015  im Deutschen Museum München die neue Siemens Start-Up Holding vorgestellt. Das zwar noch nicht in Jeans und Cowboy Stiefeln, jedoch betont ohne Krawatte und das ist für Siemens schon so etwas wie eine kleine Revolution.

Sämtliche Großunternehmen weltweit versuchen sich neu zu erfinden, um zukunftsfähiger zu werden. Die Implementierung einer Start-Up Mentalität und damit einer neuen Corporate DNA ist dabei einer der Hauptaspekte.

IBM verkündet nun laut New York Times, International Weekly vom 11.12.2015 einen neuen Approach: Design Thinking. Für IBM offenbar neu, jedoch nicht für die Welt. Wie dem auch sei. IBM ist zu der Erkenntnis gelangt, dass die rund zwei Dutzend IBM-Designzentren einen anderen Approach benötigen.

Was bedeutet das?  Gilbert beantwortete die Frage, wie folgt: „Ausgangspunkt unserer Überlegungen müssen Kundenbedürfnisse /-anforderungen sein. Bisher ist der Ausgangspunkt unserer Design Prozesse die Produktidee,  die dann versucht wird an Kunden zu verkaufen.“ Darüber lohnt es sich einen Moment inne zu halten und darüber nachzudenken, was das eigentlich bedeutet bzw. bezogen auf die Vergangenheit bedeutet hat.

Doch was braucht es nun dazu methodisch Innovationen mit Start-Up Mentaltität umzusetzen? Welche Werkzeug- bzw. Legokästen sind dazu notwendig?

Motorola und General Electric haben es bereits in den 90er Jahren erkannt und erfolgreich mit Six Sigma umgesetzt. In diesem Kontext ist an dieser Stelle jedoch explizit Design for Six Sigma (DFSS) mit dem DMADV Vorgehensmodell für Produkt- und Serviceentwicklung gemeint. Six Sigma hat einen Siegeszug in vielen Unternehmen dieser Welt angetreten. Darunter auch in Deutschland wie z.B. bei Siemens oder Deutsche Post DHL unter dem Namen First Choice.

Dazu gibt es noch die Lean Start-Up Methode von Bob Dorf und Steve Blank (siehe Informationen hier auf diesem Blog). Diese Methode hat die Kernaussage den Business Plan zunächst zu vergessen und Kundenanforderungen zu erkennen, schnell einen Prototypen zu bauen und dann die Kundenanforderungen mit dem Prototypen einem realen „Lackmustest“ zu unterziehen. Wenn das passt, dann erst sollte der Business Plan erstellt werden. Das ist letzlich ein Rapid-Prototyping Ansatz.
DMADV und die Lean-Start-Up Methode sind einander sehr ähnlich, aber eben nicht ganz. Wir haben beste Erfahrungen in Forschungsprojekten und praktischen Umsetzungen von Geschäftsideen mit der kombinierten Anwendung der einzelnen Methoden aus Six Sigma und Lean Start-Up und deren Instrumente gemacht. Mehr braucht man aus unserer Sicht nicht um zukunftsfähige Geschäftsmodelle zu gestalten. Die Geschäftsmodellwelt ist eigentlich ganz einfach. Dabei muss man sich einfach auf die wesentlichen Werkzeuge und Legobausteine fokussieren und dann auch einfach konsequent anwenden. Das macht oft einfach den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg maßgeblich aus. Der Kulturwandel und zukunftsfähige Geschäftsmodelle ergeben sich dann (fast) von alleine. So wird es auch IBM machen. Genügend Unternehmen haben es bereits erfolgreich umgesetzt.

Für den Mittelstand oder für kleinere Unternehmen mit begrenzten Ressourcen empfehlen wir, sich zunächst in diese Methoden einzulesen, sowie die zahlreichen kostenlosen Ressourcen im Internet zu nutzen. Denken Sie daran, dass Kopf Kapital schlagen kann (Empfehlung: Taschenbuch von Prof. Faltin, Kopf schlägt Kapital).

Dann braucht es nur noch punktuell erfahrene Leute, die wissen wie man diese Methoden passgenau und sinnvoll (nicht alles was ein Werkzeugkasten bietet sollte oder muss genutzt werden!) die jeweilige Situation des Unternehmens anwendet und hilft die Organisation / Geschäftsidee noch zukunftsfähiger sowie im Wettbewerb spürbar erfolgreicher zu gestalten. Das erste Erfolgserlebnis setzt dann in bei allen Beteiligten etwas in Gang, was oft vorher nicht für möglich gehalten wurde. Wir können aus unseren praktischen Entrepreneurship Projekten das nur bestätigen. Probieren Sie es aus! Sie werden positiv überrascht sein.

Herzlicher Gruß
Ihr Dirk Stein

 

Über Phil Gilbert (Quelle: IBM):

As General Manager of IBM Design, Phil Gilbert sets the strategy for and leads the transformation of product design at IBM. IBM Design is focused on three things: recruiting & retaining top designers, scaling the consistent practice of great design across IBM, and simplifying access to IBM’s broad portfolio of capabilities. Previously, Phil led the Business Process Management segment for IBM, where he drove the simplification of its portfolio and the ease-of-use of its products. Phil joined IBM in 2010 via the acquisition of Lombardi Software where he was President. Phil is a recognized leader in the technology industry and holds multiple patents. In addition to leading three successful start-ups, he is a respected thought leader who regularly shares his expertise on topics of portfolio and software design, design governance, strategy and culture with clients and organizations around the world.