Automobilhersteller geben nun Vollgas für die Geschäftsmodelle der Zukunft

In der vergangenen Woche hat Mark Fields, CEO Ford Motor Company in Financial Times vom 15.09.2016, S. 11 als bisher erster Automobilhersteller sehr deutlich zur Auswirkung der Digitalisierung auf die aktuellen Geschäftsmodelle der Automobilhersteller Stellung bezogen. Die klare Aussage lautet, dass die Gewinne in den aktuellen Geschäftsmodellen durch die Digitalisierung signifikant sinken werden. So klar und deutlich hat bisher noch kein Automobilhersteller die Konsequenzen beim Namen genannt.

Die BMW AG war der erste deutsche Hersteller, der das Thema Digitalisierung Anfang dieses Jahres offiziell in seine Unternehmensstrategie auch tatsächlich verankert hatte. Doch was dies konkret bedeutet blieb indes unklar, außer dass nun sicherlich durch den TESLA Erfolg maßgeblich bedingt, die BMW Fahrzeugflotte Schritt für Schritt elektrifiziert wird. Ob damit die Herausforderungen der Digitalisierung gemeistert werden können, ist unwahrscheinlich.

Anders bei der Daimler AG. Dieter Zetsche hat in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung klar formuliert wie Daimler sein Geschäftsmodell der Zukunft finden möchte, die magischen Begriffe lauten hier “CASE“ und „Schwarm-Organisation“.

‚C‘ steht für connected cars, also für die Digitalisierung des automobilen Individualverkehrs, ‚a‘ für autonomes Fahren, ’s‘ für shared mobility (Stichwort: Car Sharing bzz. Car2Go) und ‚e‘ für Elektrifizierung“, erklärte Dieter Zetsche. Laut Zetsche hat jede einzelne dieser CASE-Veränderungen für sich schon allein das Potenzial, das bisherige Geschäftsmodell auf den Kopf zu stellen. Soweit zu den fachlichen Themenfeldern.

Die postulierte Schwarm-Organisation sieht vor, dass statt bis zu sechs es nur noch zwei Hierarchiestufen geben wird.  Daimler beabsichtigt, dass kurzfristig, innerhalb von einem halben Jahr oder Jahr, rund 20 Prozent der Mitarbeiter auf eine Schwarm-Organisation umgestellt werden.

Anmerkung des Autors: Ziel der Schwarmorganisation ist die Nutzung der Schwarm-Intelligenz aller beteiligten Personen. Es ist jedoch davor zu warnen, dies als Allheilmittel zu betrachten. Es gibt aus der Praxis sehr viele Beispiele, dass sich eben oft die Ideen der „mächtigsten“ Beteiligten durchsetzen und dann passiert genau das Gegenteil. Es kehrt sich in kontraproduktiven Herdentrieb um. Daraus resultieren dann sehr oft zum Scheitern verurteilte Produkte / Services.

Dabei sollen Daimler Mitarbeiter, die nicht in strikte Hierarchien eingebunden sind, für bestimmte fachliche CASE-Themen verknüpft werden. Sie agieren unabhängig von Abteilungsgrenzen sehr autonom vernetzt, und das soll dann keinesfalls auf einzelne Projekte beschränkt sein und nachhaltig verankert werden. Bis 2020 soll das Konzept zur neuen Führungskultur vollständig umgesetzt sein.

Für die Entwicklung bzw. das Finden neuer Geschäftsmodelle bedarf es nicht nur Methoden wie Design for Six Sigma (DFSS), Lean Start-up Methode oder Design Thinking Process. Diese Werkzeuge bilden eine wichtige Basis und mehr auch nicht. Die Menschen bzw. die Mitarbeiter müssen in den Mittelpunkt gestellt werden und der Mindeset über alle Führungsebenen an eine individuell passende sowie übergreifende Innovationskultur -Die neue Unternehmens DNA- ausgerichtet und gelebt werden.

Es ist und wird noch spannender in der Automobilbranche. Es wird aktuell rund um das Thema Digitalisierung personell stark aufgebaut und der Personaltausch zwischen den Autoherstellern und den IT Konzernen ist im vollem Gange, mit jeweils unterschiedlichen geschäftlichen Interessen. Es ist hochspannend diese Entwicklung zu verfolgen und zu beobachten wie sich die Geschäftsmodelle verändern werden.

Herzlicher Gruß und eine erfolgreiche Woche wünscht

Ihr Dirk Stein