Plädoyer für 2018: Mehr Fundament für Digitalisierung und positiv besetzen

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

mein Team und ich haben uns in mehreren wissenschaftlichen Studien seit 2012 intensiv mit den existierenden Definitionen zum Thema Digitalisierung, digitale Bildung und digitale Kompetenz beschäftigt und werden im ersten Quartal 2018 dazu Ergebnisse, die wir mir mit Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutiert sowie verprobt haben, publizieren.

So viel vorweg: Es gibt zu wenig theoretisches Fundament und zu wenig gemeinsames Verständnis und genau das führt zum „Bullshitbingo rund um das Thema Digitalisierung“. Sollte der Missbrauch (v.A.  durch Führungskräfte als Hauptargument für Entlassungen) des Begriffes „Digitalisierung“ nicht schnell in unserem Land aufhören, so werden wir unseren Wohlstand langfristig höchstwahrscheinlich einbüßen.

Beginnen wir mal aus volkswirtschaftlicher Sicht mit dem Blick darauf, dass durch die Digitalisierung massiv Arbeitsplätze wegfallen werden und Massenarbeitslosigkeit drohe. Schauen wir auf die demographische Entwicklung in Deutschland. Bis 2050/2060 werden die verfügbaren Arbeitskräfte alleine durch Überalterung / Ruhestand von 50. Mio. auf rund 36 Mio. sinken.

Selbst mit strukturierter Zu-/Einwanderung werden wir diese Herausforderung vermutlich nicht auffangen können.

Wer soll eigentlich diese Arbeit erledigen? Natürlich muss das auch differenzierter im Detail betrachtet werden und wir müssen uns gesellschaftlich um diejenigen Menschen kümmern, deren Arbeit „digitalisiert“ worden ist. Wenn man jedoch morgens im Berufsverkehr in manche Gesichter schaut, dann ist oft erkennen zu können, dass manche Menschen froh wären den einen oder anderen Job nicht mehr machen zu müssen (Persönliche Gespräche bestätigen dies in sehr viellen Fällen – Stichwort „Boringsyndrom“ oder „Bore-Out Syndrom“), jedoch bedarf es für diese Transformation gesellschaftliche Lösungen zur Sicherung von Existenzen.

Eine Lösung ist die digitale Qualifizierung und genau dafür haben wir ein Modell als Orientierung entwickelt, welches aktuell noch fehlt und wir Anfang kommenden Jahres veröffentlichen werden. Eine andere Lösung, die insbesondere durch viele DAX Vorstände Vorstände adressiert und diskutiert wird: Das bedingungslose Grundeinkommen. Diese beiden Lösungsansätze werden uns noch in den nächsten Jahren sehr beschäftigen, auch wenn wir uns in einer Leistungsgesellschaft den letzteren Lösungsansatz (noch) nicht vorstellen können. Prognose: Das wird sich in spätestens 10 Jahren ändern.

Es steht aktuell nahezu fest, dass wir uns aus volkswirtschaftlicher Sicht  in Deutschland durch unsere Überalterung selbst abschaffen. Das ist Fakt.

Deshalb kann die Antwort nur lauten, unsere Köpfe bzgl. der Digitalisierung positiver zu stimmen. Neue Technologien, wie künstliche Intelligenz, Automatisierung, Sprachsteuerung etc. müssen effektiver und intelligenter genutzt werden – ohne dabei kritische Betrachtungen außen vor zu lassen sowie zuerst Chancen zu betrachten (Mindset!).

Unsere Medien und insbesondere Fernsehsender haben in diesem Kontext auch eine Verantwortung die Digitalisierung positiver zu besetzen. Nämlich unqualifizierte Moderationen zum Thema „Digitalisierung“, wie z.B. durch Barbara Schöneberger „oh, wenn ich an die böse Digitalisierung denke“ in der NDR Talk- Show vom 20.10.2017, zukünftig in dieser unqualifizierten Form zu vermeiden. Menschen mit einem derart hohen Bekanntheitsgrad, Glaubwürdigkeitsfaktor sowie medialer Reichweite können da ziemlich viel Schaden anrichten.

Die Erwerbstätigen, die in verdientermaßen in Ruhestand gehen werden, haben ebenso eine Verantwortung: Digitalisierung mit Ihrem Wissen zu ermöglichen und den Wohlstand in unserem Land für die Nachfahren mit zu sichern.

Jede industrielle Revolution hat bisher zu mehr Wohlstand geführt, warum sollte das bei der vierten industriellen Revolution eigentlich anders werden?

Das Beste zum Schluss: Jeder einzelne Mensch wird durch diese Entwicklung wertvoller werden. Das ist doch mal eine positive Botschaft, die sich zu verbreiten lohnt.

Ihnen und Ihren Familien wünschen wir ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein gesundes neues Jahr 2018!

Herzlichst
Ihr Dirk Stein & Team