Anpassung der digitalen Transformationsstrategie – 5 typische Warnzeichen
Anpassung der digitalen Transformationsstrategie – 5 typische Warnzeichen 2560 1707 dirkstein

Während der Hype um die digitale Transformation seit Jahren zunimmt, hat die aktuelle Pandemie signifikante Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft sowie drastisch höhere Erwartungshaltungen an die digitale Transformation.
C-Level Führungskräfte sollten sich jedoch davor hüten, pandemiegetriebene Entscheidungen zu treffen.
Alles mag sich im Moment dringend anfühlen, jedoch sollte bedacht werden: Die digitale Transformation ist mehr als nur ein technologischer Trend – es ist eine vollkommen andere unternehmerische Denkweise
(Stichworte: datengetriebenes Denken, Plattform Ökonomie, Wertschöpfungsnetzwerke), die das langfristige Wachstum und die Widerstandsfähigkeit eines Unternehmens im digitalen Zeitalter sicherstellen soll.

Nehmen Sie eine Bestandsaufnahme der aktuellen digitalen Transformationstrategie Ihres Unternehmens vor und suchen Sie nach den fünf Warnzeichen, die eine Anpassung erforderlich machen könnten:

1. Die digitale Transformation ist in Ihrer Organisation ein isoliertes unternehmensspezifisches Ereignis
„Eine steigende Flut hebt alle Boote“ besagt ein Aphorismus. Er besagt, dass Verbesserungen der allgemeinen Wirtschaft allen Beteiligten zugutekommen werden. Die digitale Transformation kommt in ähnlicher Weise allen Unternehmen und der Gesellschaft zugute. Die digitale Transformation wirkt sich auf Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten, Konkurrenten und darüber hinaus aus. Wenn Unternehmen z.B. papiergebundene Prozesse und Gemeinkosten reduzieren wollen, wenden sie sich dem unternehmensübergreifenden Datenaustausch zu, was einheitliche Standards und eine organisationsübergreifende Zusammenarbeit erfordert. Nicht zuletzt auch wegen der Erweiterung der traditionellen linearen Wertschöpfungsketten um Wertschöpfungsnetzwerke.

2. Die Digitalstrategie ist von der Geschäftsstrategie getrennt
Nicht wenige Unternehmen mit Silo-Strategien denken, dass sie sich in einer digitalen Transformation befinden. Wahrscheinlicher ist, dass sie eine IT-Transformation erleben. Während die digitale Transformation einen grundlegenden Wandel in Ihrem Unternehmen bewirkt, aktualisiert die IT-Transformation die zugrunde liegende Verankerung, die die digitale Transformation überhaupt erst ermöglicht. Eine Digitalstrategie ohne „gelebte“ Geschäftsstrategie ist völlig sinnfrei.

3. Ihre Organisation plant oder hat bereits eine Single-Cloud-Strategie
Ein Nachteil des Wechsels in die Cloud ist der Verlust der Kontrolle über die physische IT-Infrastruktur. Wenn Sie sich auf einen einzigen Cloud-Anbieter verlassen, setzen Sie sich selbst einem größeren Risiko aus, sofern dieser Partner ein technisches Problem, einen Datenmissbrauchsproblem oder ähnlichen Vorfall bzw. mehrere Vorfälle zu beklagen hat.

Folgen Sie lieber einen Multi-Cloud- oder Hybrid-Cloud-Strategie und teilen Sie den Cloudbetrieb z.B.  nach Größe, Kritikalität, geographischen Regionen, Business Units oder nach Umsatzgrößen unter den Anbietern auf. Ein kombinierter Cloud-Ansatz bietet maximale Flexibilität. Es sei der Hinweis erlaubt, dass Cloudanbieter Migrationswerkzeuge dafür anbieten in die Cloud des jeweiligen Anbieters hinein zu kommen. Das ist der Weg hinein. Leider gibt es in den allermeisten Fällen keine Werkzeuge zur Unterstützung, wenn man den Cloudanbieter wieder verlassen möchte. Hier droht eine irreversible Einbahnstraße, sofern das zu Beginn nicht mit bedacht wird.

4. Unternehmen operieren unter der Annahme, dass die geschäftlichen Daten ungefährdet sind
Die erweiterte Angriffsfläche durch die Cloud eröffnet neue Cybersicherheitsrisiken. Viele Unternehmen haben festgestellt, dass ein einziger Mitarbeiter, der z.B. nicht wissend in ein Phishing-Schema passt, ausreicht damit Hacker in ein Unternehmen einbrechen kann.
Es ist besser in diesem Kontext den Null-Vertrauen-Ansatz verfolgen, bei dem Sie niemandem vertrauen – nicht einmal den Benutzern innerhalb Ihrer Organisation. Warum? Insbesondere durch die aktuelle Pandemie werden Mitarbeiter immer mehr und vermutlich in großer Anzahl dauerhaft aus der Ferne im Homeoffice oder von wo auch immer arbeiten. Dabei greifen sie auf verschiedene Wifi-Netzwerke und Geräte zurück, die logischerweise zusätzliche Bedrohungen darstellen. Dieser Aspekt muss in die digitale Transformation einfließen.

5. Neueste Technologien erfüllen sämtliche geschäftliche Anforderungen der Zukunft
Während die meisten CTOs/CIOs diese Ansicht wohl kaum vertreten werden, sieht dieser Sachverhalt bei den C-Level Kollegen oft schon sehr viel anders aus. Ganz gleich, ob es um die Migration zur Cloud geht oder um den Einstieg in künstliche Intelligenz (KI) oder maschinelles Lernen.
Viele Führungskräfte glauben, dass diese Technologien allein die Macht haben, die digitale Transformation zu vollenden und maximalen geschäftlichen Nutzen ermöglichen. So einfach ist das leider nicht.  Was tun?
Erstens die Geschäftsstrategie und zweitens die Digitalstrategie konzeptionell anpassen und drittens folgt dann Technologiestrategie.  Diese die beantwortet wie die Digital- / Geschäftsstrategie mit welcher Art von Technologieeinsatz zum Leben erweckt werden und klar den Wertbeitrag (Technology Value Added – TVA) von Technologie zum Geschäftsmodell offenlegt.

Wenn Ihre Organisation in ein oder mehrere der fünf Warnzeichen erfüllt, sollte die digitale Transformationsstrategie höchstwahrscheinlich aktualisiert werden.

Der geschäftliche Wettbewerb hat sich durch den Ausbruch der aktuellen Pandemie verschärft, so dass der Erwartungsdruck auf digitale Transformationsprojekte als „die“ Lösung aller Probleme massiv ansteigt. Jedoch es ist weitaus wichtiger, sich die Zeit für die richtige digitale Transformationsstrategie zu nehmen, als übereilte Entscheidungen zu treffen, für die man auf lange Sicht teuer und ggf. nutzlos bezahlen wird.


Herzlichst
Ihr Dirk Stein