Digitale Transformation

Digitalisierung ist Chefsache – 7 Know-How Spots für CEOs und C-Level
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Das Plädoyer für das Ende der Delegation der Digitalisierungsverantwortung.

Da sich heute jedes Unternehmen auf der Welt in einem gewissen Maße auf digitale Technologie verlässt, sollten Unternehmer und  Führungskräfte die digitale Technologie verstehen, die sie für Ihr Geschäftsmodell aktuell verwenden oder nutzen werden. 

Im Gegensatz dazu, könnte man die Auffassung vertreten, dass sich viele Unternehmen nicht so sehr auf digitale Technologie verlassen und es daher wäre es für Unternehmer und Führungskräfte unnötig ist digitale Technologien zu verstehen, die ihre Produkte und Dienstleistungen ermöglichen.  Im Jahr 2020 – und für generell in Zukunft – ist diese Sichtweise gerade zu absurd. Niemand handelt in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft isoliert. So einfach ist das.

Es gab vor nicht allzu langer Zeit C-Level Führungskräfte, die glaubten, das Internet sei „eine Modeerscheinung, das in ein paar Jahren verschwunden sein würde“ oder „mit Abschalten von E-Mails signifikant Stromkosten sparen zu können“. Auch Aussagen wie, „Niemand kauft gerne online ein … die Menschen lieben Geschäfte.“ sind getätigt worden. Diese bizarren Aussagen sind Gott sei Dank einige Jahre her und die aktuelle Pandemie zeigt einmal mehr auf wie wichtig Digitalisierung in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft geworden ist.

Aber was ist heute tatsächlich? 

Wenn Sie CEOs oder generell C-Level Führungskräfte bitten würden, zu erklären, warum Multi-Cloud-Management ein kritischer Geschäftsprozess sein kann, könnten sie (C-Level) dazu wirklich in der Lage sein?  Könnten sie automatisierte Lieferketten mit ihren Auswirkungen auf die Skalierbarkeit darlegen?  Oder wären sie in der Lage simpel zu erklären, wie maschinelles Lernen die robotergestützte Prozessautomatisierung ermöglicht? 

Vor etwa 25 Jahren veröffentlichten Martin, Batchelder; Newcomb, Rockart und Yetter im Harvard Business Review einen Artikel mit dem Titel „The End of Delegation?  Informationstechnologie und der CEO“.  Vor 25 Jahren schrieben sie sinngemäß übersetzt:

„Heutzutage spielt die IT / digitale Technologien in den meisten Geschäftsbereichen eines Unternehmens eine wichtige Rolle, von der Entwicklung neuer Produkte bis zur Unterstützung von Vertrieb und Service, von der Bereitstellung von Marktinformationen bis zur Bereitstellung von Werkzeugen für die Entscheidungsanalyse.  Viele Beobachter sind der Meinung, dass diese Tatsache zusammen mit den gestiegenen Möglichkeiten, die IT / digitale Technologien zur Erzielung strategischer Vorteile zu nutzen, es erforderlich macht, dass CEOs / C-Level noch einmal überdenken müssen, was sie über diese zukunftsweisende Ressource wissen müssen, um sie effektiv zu verwalten … der CEO / die C-Level Ebene kann es sich nicht mehr leisten, diese Entscheidungen an Informationssystemmanager allein zu delegieren … die digitale Technologie hat sich in fast jeden Aspekt des Geschäfts integriert … heute spielt die digitale Technologie bei fast allem, was wir tun, eine Rolle …“.

Das war vor 25 Jahren und es ist aktueller denn je.

Die Kernfrage lautet:  Was müssen CEOs bzw. die C-Level Ebene bezüglich digitaler Technologien bzw. der Digitalisierung mindestens verstehen? 

Anbei eine Übersicht Liste von 7 Kow-How Bereichen für CEOs und die C-Level Ebene, die heutzutage Voraussetzung für die Besetzung der Vorstands- / Geschäftsführung darstellen sollte und aufgrund der allgemeinen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und technologischen Entwicklungen auch sein muss.

C-Know-How Spot 1: Digitalisierung als Automatisierung und digitale Transformation verstehen

Die Digitalisierung wird sehr oft und überwiegend als Instrument zur Effizienzsteigerung der vorhandenen (realen) Geschäftsprozesse und -modelle im Rahmen des Bestandsgeschäftes verstanden. Das ist jedoch nicht das, was die Digitalisierung als Ganzes für neue Geschäftsmodelle und nachhaltigen digitalen Erfolg leisten kann. Diese Feststellung wird eine Studie die am 03.11.2020 veröffentlicht wird belegen.

Die Digitalisierung muss insbesondere durch den CEO und der C-Level Ebene im Sinne eines strategischen Themas der digitalen Transformation insgesamt und in Bezug auf ein digitales Innovationsgeschäft (wie z.B. Plattformökonomie) verstanden und glaubhaft geführt werden.

Die Digital Leadership Herausforderung für die CEOs und der C-Level Ebene liegt in der Vereinbarkeit von klassischer und digitaler Führung (Ambidexterität). Die zugehörigen zentralen Fragen (Kollmann, Digital Leadership 2020) die grundsätzlich zu beantworten sind lauten:

 1. Digitale Führungsebene:
Welche Person respektive Ebene eines Unternehmens ist eigentlich zuständig für die Entwicklung und Umsetzung einer Digitalstrategie?

2. Digitale Organisation:
Wie muss eine digitale Organisation ausgerichtet sein, um den Anforderungen der Digitalen Transformation gerecht zu werden?

3. Digitale Ambidexterität:
Wie lassen sich Bestandsgeschäft und Innovationsgeschäft in einer Organisation miteinander vereinbaren?

C-Know-How Spot 2: Wissen über ERP Systeme

Der CEO bzw. die C-Level Ebene muss zunächst die digitalen Technologien verstehen, die ihre internen Prozesse ermöglichen. Das bedeutet generell ERP-Systeme und die Grundlagen der Unternehmensinfrastruktur zu kennen auf der das Geschäftsmodell betrieben wird und strategisch weiterentwickelt werden soll.

Mit „verstehen“ ist gemeint, dass sie wissen sollten, welche (kritischen) Geschäftsfunktionen ihre ERP Umgebung bietet, wie hoch die Weiterentwicklungs-, Betriebs- und Wartungskosten sind, wie die  Software / Release Lebenszyklen sind und wie die ERP Umgebung gehostet wird. Sie sollten auch wissen, wer in ihrem Unternehmen für die ERP-Umgebung verantwortlich und rechenschaftspflichtig ist.

Warum ist das so erfolgskritisch? Weil für ERP Systeme zwei- bis mehrfach dreistellige Millionenbeträge investiert werden. Gleichzeitig scheitern viele dieser ERP Umgebungen ein Geschäftsmodell nachhaltig erfolgreich umzusetzen. Das ein SAP S4/HANA für einen DAX-30 Konzern mal schnell 300-500 Millionen EUR kostet ist keine Seltenheit. Es gab in den letzten Jahren z.B. in Deutschland auch Unternehmen, die haben die gleiche finanzielle Größenordnung bis zur Konzeptphase ausgeben, um dann festzustellen, dass dieses ERP System nicht zum Geschäftsmodell passt. Daher ist es im Interesse eines jeden CEOs und der C-Level Ebene, alles über die entscheidenden Erfolgs- und Misserfolgsfaktoren von ERP-Systemen in ihrem Kontext zu wissen.

C-Know-How Spot 3:  Digitale Technologien für die angebotenen Produkte und Dienstleistungen

CEOs bzw. die C-Level Ebene sollten die digitalen Technologien verstehen, die die von ihnen angebotenen Produkte und Dienstleistungen antreibt bzw. ausmacht.  Alle CEOs und die C-Level Ebenen sollten in der Lage sein, kohärent, enthusiastisch und überzeugend über digitale Technologien sprechen zu können, mit der sie Wertschöpfung generieren sowie damit Geld verdienen und das ohne Ausnahme. 

Ein CEO bzw. die C-Level Ebene sollte und muss in der Lage sein eine Antwort auf eine Technologiefrage zu geben, wie z.B. „Welche Technologien, glauben Sie, werden Sie auf die nächste Stufe bringen? 
Daher ist i.e. auch zunehmend aus Investorensicht notwendig, dass CEOs bzw. die  C-Level Ebene beschreiben, wie ihre Produkte und Dienstleistungen tatsächlich funktionieren, welche Daten sie verwenden, wie sie mit ihren Kunden interagieren und welche digitalen Technologien sie dazu befähigen nachhaltig erfolgreich am Markt agieren zu können.  CEOs und das C-Level von Technologieunternehmen sind in der Regel ziemlich gut darin, wenn auch nicht alle. Diese Fähigkeit wird immer mehr eine Kernkompetenz für alle Unternehmen sein und sein müssen.

C-Know How Spot 4: Nutzen und Grenzen von Data Science / Business Analytics

CEOs bzw. die C-Level Ebene sollten auch Daten und die Grundlagen der Geschäftsanalytik (Business Analytics) verstehen.  Sie sollten insbesondere verstehen, wie Daten ihre internen und externen Prozesse sowie die Innovations- und Wettbewerbsanalyse unterstützen.  Diesbezüglich müssen zwingend die Stärken und Schwächen von strukturierten (i.e. ERP Daten) und unstrukturierten Daten (Stichwort: Big Data – i.e. Bild/Sprach und Social Media Daten) verstehen. 

Den Fall der strukturierten Daten kann einfach mit Umsatzzahlen und der Fall der unstrukturierten Daten mit Kundenmeinungen über die Produkte und Dienstleistungen im Social Web über Unternehmen erklärt werden. Daher ist es unerlässlich zu verstehen was Data Science und Business Analytics versucht zu tun und wie die Datenwissenschaft funktioniert sowie leisten kann, um das eigene Geschäftsmodell nachhaltig erfolgreich betreiben und nachhaltig weiterentwickeln zu können.

C-Know-How Spot 5: Neue Technologische Entwicklungen 

CEOs und die C-Level Ebene müssen insbesondere auch die aufkommenden digitalen Technologien verstehen, die Innovationen für ihr Geschäftsmodell ermöglichen können bzw. eine Gefahr darstellen (Stichwort: Disruption).  Diesbezüglich müssen nicht nur die aufkommenden Technologien verstanden werden, die Innovation ermöglichen. Vielmehr muss auch genau verstanden werden, wie Innovation in ihrem Unternehmen stattfindet (Stichworte: Wollen – Dürfen – Können) und  wie der Erfolg (oder Misserfolg) sich auf das Geschäft auswirken kann und wie schließlich Innovationsprozesse, insbesondere kulturell sowie im Führungssystem in der eigenen Organisation verbessert werden können. 

Dabei ist zudem wichtig für neue digitale Technologien, in die investiert werden soll, die Auswirkungen dieser digitalen Technologien auf das Kostenmanagement und das Ertragswachstum zu bestimmen.
Aktuell umfasst die kurze Liste der neu entstehenden Technologien insbesondere KI / maschinelles Lernen, Verarbeitung natürlicher Sprache, Industrie 4.0 sowie Internet der Dinge, fortgeschrittene Geschäftsanalytik, Quantencomputer, 5G, Cybersicherheit, (Hard- und Software) Robotik sowie erweiterte und virtuelle Realität. 

Niemand erwartet von CEOs und der C-Level Ebene, dass sie über Programmiercode, Architektur oder APIs sprechen, aber sie sollten und müssen in der Lage sein, darzulegen, wie z.B. Plattformökonomie, Augmented und Virtual Reality, RPA oder KI ihre Produkte und Dienstleistungen nachhaltig verbessern kann. Darüber hinaus muss die Planung sowie Prüfung neuer digitaler Geschäftsmodelle mit Unterstützung digitaler Technologien konsistent und glaubhaft dargestellt werden können und wie das ganzheitlich in eine umsetzbare Digitalstrategie mit messbaren Key Performance Indicators (KPI`s) überführt werden kann.

Gleiche Ausführungen bzw. diesbezügliches Wissen gilt auch für den Wettbewerb des Unternehmens (Peer Group). Die digitalen Technologien des Wettbewerbs müssen ebenfalls in das eigene Handeln einbezogen werden.  Eine der besten Möglichkeiten die technologischen Hebelwirkungen zu verstehen, besteht u.a. darin, die Technologieinvestitionen des Wettbewerbs zu verfolgen.  Dafür gibt es wirklich einfache und effiziente Lösungen dies in Erfahrung zu bringen.

CEOs und die C-Level Ebene müssen die digitalen Technologien, die ihr Wettbewerb einsetzt, zwingend verstehen, um selbst auf dem Markt als Sieger oder wichtiger Player grundsätzlich hervorgehen zu können sowie fließend beherrschen.  „Was halten Sie von der Übernahme Ihres Konkurrenten?  Glauben Sie, dass sie versuchen werden, den Markt für die Automatisierung in die Enge zu treiben“, sind die Art von Fragen, auf die jeder CEO und das C-Level insbesondere aus Investorensicht vorbereitet sein sollte.

C-Know-How Spot 6:  Kosten/Nutzen Verständnis für digitale Technologien

CEOs und die C-level Ebene müssen digitale Technologien in Hinblick auf Kosten / Nutzen und der Flexibilitätsmöglichkeiten /-grenzen für ihr Geschäftsmodell verstehen.  Investitionen in Technologien sind meist sehr kostspielig.  Große interne Technologieinvestitionen – wie für ERP- und CRM-Anwendungen kosten mitunter ein kleines Vermögen und sie binden Unternehmen u.a. auch an proprietäre Plattformen (Stichwort: Technologische Einbahnstraße!).  CEOs und die C-Level Ebene sollten genau deshalb insbesondere die Inflexibilität von Technologieinvestitionen verstehen und Lösungen zur Hand haben, wie etwaige (eingekaufte) Flexibilitätsnachteile abgeschwächt werden können.

C-Know-How Spot 7: Technologie-Wissen zu eigen machen 

Wir haben das Jahr 2020.  Es ist aktuell schwierig, ein Unternehmen zu finden, das nicht bereits ein Technologieunternehmen ist.  Einige Unternehmen mehr als andere. Jedoch ist jedes Unternehmen auf interne und externe Technologie angewiesen, um ihr Geld zu verdienen und auch zu sparen. 

Unternehmen, die Hardware- und Softwareprodukte und -dienstleistungen sowie Informations- produkte verkaufen, sind reine Technologieunternehmen.  Diese Unternehmen machen sich die Technologiekompetenz zu eigen. Genau diese Kompetenz entsteht u.a. bereits, wenn man sich selbst zur Elite der Technologieunternehmen seiner Branche/Segments erklärt, auch wenn aktuelle Umsätze dies noch nicht untermauern. 

Warum sollten CEOs und die C-Level Ebene das in Betracht ziehen?  Ganz einfach, weil es einen signifikanten ökonomischen Impact für das Unternehmen haben kann. In erster Linie werden „Technologieunternehmen“ im Unternehmenswert viel höher bewertet als Nichttechnologieunternehmen. „Digitale Technologien“ bewirken insbesondere ein höheres Image,  eine höhere positive Wahrnehmung als zukunftsweisende Marke und auch eine höhere positive  Emotionalität aus Investorensicht (Stichwort: Behavioral Finance) und schließlich auch aus Kundensicht.

Das funktioniert jedoch nur, wenn CEOs und die C-Level Ebene weit mehr als digitale Technologie nur lesen und schreiben zu können. Sie müssen Enthusiasten und immer bestrebt sein über digitale Technologie zu sprechen, die ihre Produkte und Dienstleistungen ermöglichen und am Markt differenziert. Genau das macht Elon Musk mit all seinen Unternehmen und nicht nur mit TESLA und es ist nur zu empfehlen sich diese Prinzipien anzusehen, zu verstehen und zu adaptieren.

Wie bereits vor etwa 25 Jahren argumentiert wurde, ist digitale Technologie einfach zu wichtig, um sie anderen zu überlassen. In diesem Sinne, viel Erfolg!