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Deutsche Insuretech Start-Ups – Ein Status
Deutsche Insuretech Start-Ups – Ein Status 346 376 dirkstein

Das Versicherungsgeschäft in Deutschland befindet sich voll auf dem Pfad der Geschäftsmodelldigitalisierung. Insbesondere sogenannte Insuretech Start-Ups sprießen derzeit aus dem Boden. Ein Grund dafür ist u.a. eine gesetzliche Neuregelung des deutschen Provisionsabgabeverbots von 1934. Anfang 2016 soll die EU-Vertriebsrichtlinie „Insurance Distribution Direction“ in Kraft treten und dabei werden zumindest Änderungen an dem deutschen Provisionsabgabeverbot erwartet oder entfällt es vielleicht auch vollständig, was für die Geschäftsmodelle der Insuretech Start-Ups der Idealzustand wäre. Auch dieses Beispiel zeigt, dass gesetzliche Änderungen immer wieder Treiber für neue Geschäftsmodelle sein können.

Viele dieser neuen Start-Ups sehen in Ihren Geschäftsmodellen vor, die Provisionen für Versicherungskunden vollständig offen zu legen und einen Teil dieser Provision ihren Kunden zu erstatten. Das wird von einigen Start-Ups auch jetzt bereits praktiziert, da die BAFIN als Aufsichtsbehörde die Provisionsweitergabe derzeit nicht sanktioniert. Für die Start-ups ist dieses Procdedere schon alleine aufgrund ihrer günstigeren Kostenstrukturen einfacher möglich als für die traditionellen Versicherer. Die Auswirkung auf die traditionellen Versicherer oder auf den Leistungsumfang der Policen und damit auf den Versicherungskunden sind derzeit nicht absehbar. Was auf den ersten Blick vorteilhaft wirkt, könnte am Ende auch eine Mogelpackung für Versicherungskunden sein.

Der Inhalt einer Versicherungspolice im Sinne des Leistungsumfangs sowie der Voraussetzungen für den Leistungsfall durch den Versicherer („Das Kleingedruckte“) könnte sich ändern und sich damit wiederum nachteilig für den Kunden auswirken. Ein Vergleich mit den geänderten Packungsinhaltsmengen bei gleicher äußerer Packungsgröße im Lebensmittelmarkt in diesem Zusammenhang durchaus ein gutes Vergleichsbild. Die Zukunft wird zeigen, wie sich die Versicherungsprodukte diesbezüglich entwickeln werden. Auch an diesem Punkt können die jungen Insuretech Start-Ups ansetzen und sich mit Transparenz sowie Nachvollziehbarkeit das notwendige Vertrauen 4.0 bei Versicherungskunden nachhaltig erwerben.

Das Marktvolumen für das Versicherungsgeschäft wird in Deutschland auf etwa 200 Mrd. Euro geschätzt und ist damit etwa fünfmal größer als der e-commerce Markt und etwa 20 Mal größer als der Smartphone-Markt. Dadurch wird eindrucksvoll nachvollziehbar warum dieser Markt für Versicherungsunternehmen und Insuretech Start-Ups so interessant ist. Dabei setzen die Start-Ups an der Kundenschnittstelle an und möchten die Beratung sowie Abwicklung vereinfachen. Das eigentliche Kerngeschäft der traditionellen Versicherer steht dabei derzeit nicht im Fokus. Noch nicht.

Zu den bekanntesten Insuretech  Start-Ups gehören unter anderem Community Life, Friendsurance, Clark.de (50% der Provision soll den Versicherungskunden erstattet werden), MyDiverso, Appsichern, JDC Group mit der App allesmeins oder blau direkt mit der App simplr.

Insgesamt ist es positiv zu bewerten, dass sich auch dieser Markt verändern wird. Die Insuretech Start-Ups können ihre Vorteile gegenüber der großen (noch) schwerfälligeren Versicherern nutzen. Eine spannende Entwicklung.

Herzlicher Gruß
Dirk Stein