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Spannend: Tiefgreifender Wandel im internationalen Textilhandel
Spannend: Tiefgreifender Wandel im internationalen Textilhandel 425 313 dirkstein

Der Markt des internationalen Textilhandels verändert sich offenbar nachhaltig.

Insbesondere wird in der Branche aktuell der Verfall der amerikanischen Modeketten beobachtet. Die Kette GAP kündigte bereits offiziell an seinen Betrieb bald vollständig einstellen zu müssen. American Apparel hat mit hausgemachten Schwierigkeiten durch das öffentliche Verhalten seines Ex-Chefs zu kämpfen, so berichten amerikanische Wirtschaftsmedien. Abercrombie & Fitch laufen die Kunden ebenfalls davon. Der Wert des Unternehmens sank seit 2009 um gut 2 Mrd. US Dollar und ist heute noch etwas mehr als 500 Mio. US Dollar wert.

Demgegenüber beträgt der Wert der Modekette ZARA gut 12 Mrd. US Dollar und der Wert von H&M etwas mehr als 21 Mrd. US Dollar. Dazu gesellt sich auch Primark mit einer enormen Wachstumsstrategie. Alleine diese drei Unternehmen preschen gerade in den amerikanischen Markt. Die Ladenlokale von H&M und ZARA sind im Gegensatz zu den genannten amerikanischen Ketten bestens frequentiert. PRIMARK beginnt sein Marktoffensive gerade erst.

Neben verfehlter Preispolitik der amerikanischen Ketten machen Markenexperten auch Fehler in der Kundenansprache sowie schnell abflauende Begeisterung der Kunden für die Modemarken aus. Dazu kommt, daß ZARA mittels BIG DATA Analysen zentral aus Spanien heraus jeden Store genau in seinem Kaufverhalten anaylsiert und binnen kürzester Zeit neue Kollektionen in die Läden bringt. Eine Kollektion ist zudem im Durchschnitt in 10 Tagen ausverkauft. Von der Bestellung bis zur Lieferung vergehen bei ZARA maximal 36 Stunden. Das gilt als Branchenbestwert. Auch diese Ketten können sich nicht ausruhen.

Der 27-jährige deutsche Roman Kirsch überträgt nun das ALDI Prinzip auf den Modehandel und das online versteht sich. Kirsch soll bei Investoren ein hohes Ansehen genießen. Sein Unternehmen heißt Lesara und wächst kräftig. Investoren wie Vorwerk sind u.a. mit an Bord.

Die Ware wird direkt in China produziert, dann direkt nach Deutschland versendet, in schlichte Tüten verpackt und an den Kunden gesendet. Ohne Designer, ohne Zwischenhandel. Es wird von der Stunde der Produzenten gesprochen. Was bedeutet das für den etablierten Modehandel?

Es wird sich, wie fast immer, erst noch zeigen. Der Lesara Umsatz soll bis 2020 auf 100 Mio. Euro steigen. In den USA ist wish.com mit einem ähnlichen Konzept am Start und hat zuletzt eine halbe Milliarde US Dollar Risikokapital eingesammelt. Der Unternehmenswert beträgt derzeit bereits stolze 3 Mrd. US Dollar und ist damit bereits das sechsfache von Abercrombie & Fitch wert.  Auch H&M, ZARA und Co. werden in Zukunft weiter gefordert sein. Es ist eine Momentaufnahme, aber eine sehr interessante.

Es zeigt sich bereits jetzt, daß ein einfaches Geschäftsmodell mit klarem Profil und mit exzellenter Supply-Chain die mit Digitalisierungselementen verküpft ist, die Kerntreiber für erfolgreiche Geschäftsmodelle im Textilhandel sind.

Herzlicher Gruß
Ihr Dirk Stein