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Digitalisierung – Industrie 4.0: Zahlreiche Normen
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Am 13. und 14. Oktober 2015 tagte der Deutsche Maschinenbau Gipfel in Berlin. Eine der Kerndiskussionen war die Frage, wer die Standards für das industrielle Internet setzen wird. Diesbezüglich sind sich die Experten aus aller Welt einig, dass die Normensetzung zwischen Unternehmen aus den USA, China und Deutschland im vollen Gange ist und zwischen diesen Nationen vermutlich auch entschieden wird.

Inzwischen haben sich ca. 250 Unternehmen der amerikanischen Industrie 4.0 Plattform angeschlossen, so das amerikanische Industrial Internet Consortium (IIC). Bisher haben sich unter anderem die deutschen Unternehmen Bosch, Siemens, Infineon und SAP zu diesem Standard bekannt. Der deutsche Mittelstand ist da deutlich zurückhaltender.

Es wird festgestellt, dass die Begriffe Industrie 4.0 , Internet der Dinge  oder Cyber-physikalische Systeme (der japanische Begriff)  prinzipiell dasselbe bezeichnen. Soviel zur Begriffsvielfalt und Orientierung.

Amerikanische Referenten versuchten insbesondere die Sorge der deutschen mittelständischen Weltmarktführer zu entkräften, dass amerikanische Konzerne sie nur zu bloßen Hardwarelieferanten degradieren wollten. Ergänzend bekräftigten chinesische Referenten, dass sie an die Durchsetzung globaler Standards durch einzelne Unternehmen nicht glauben. In den Diskussionen klang durch, dass man sich im Sinne von globaler Interoperabilität auf einen Nenner einigen muss. Jedoch ist noch offen, wie das verwirklicht werden kann.

In diesem Kontext sei an die Quasi-Standards aus der Unterhaltungselektronik erinnert. Dort hat sich zumeist ein Standard aufgrund von Marktanteilen sowie Schnelligkeit im Sinne von Time-to-Market und Kooperationen / Lizensierung etabliert. Insofern ist aktuell für Investitionen in Industrie 4.0 Geschäftsmodellen ein besonderes Augenmaß aus unternehmerischer Sicht notwendig. Es stellt sich zumindest auch die Frage, ob nicht der deutsche Mittelstand hier gefordert ist gemeinsam zu handeln.

In diesem Zusammenhang sei z.B. auch an den deutschen Erfolg mit dem E-Book Reader Tolino erinnert. In diesem Jahr hat der Tolino die Marktführerschaft von Amazons Kindle in Deutschland übernommen. Wir berichteten hier. Jedoch war das auch eine reaktive Handlung der deutschen Buchhändler und vielleicht macht dieser Erfolg einfach Mut proaktiver zu handeln. Technologieentwicklungspartner der deutschen Buchhändler für den Tolino war die Deutsche Telekom. Das ist ggf. auch im Thema Industrie 4.0 eine Option. Denn die deutschen Unternehmen werden für ihre Hardwarekompetenz international geschätzt, jedoch mangelt es an Softwareentwicklungskompetenz. Dort liegt für die deutschen Unternehmen aus dem Mittelstand das Handlungsfeld.

Es wird spannend sein diese Entwicklung zu verfolgen und es bieten sich mit guten Konzepten sowie Lösungen gepaart mit entschlossenem Handeln zahlreiche Chancen. Dabei sollte auch Mut machen, dass China in Sachen Maschinenbau deutlich nach Deutschland schaut. Das kann und sollte genutzt werden. Die kommende Hannover Messe kann diesbezüglich bereits interessante Erkenntnisse liefern und zeigen ob die existierenden Industrie 4.0 Plattformen vielleicht enger zusammenrücken.

Herzlicher Gruß
Ihr Dirk Stein