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Handel: Neue Konzepte – Symbiotische Geschäftsmodelle
Handel: Neue Konzepte – Symbiotische Geschäftsmodelle 350 343 dirkstein

Am 18. und 19. November 2015 hat der deutsche Handelskongress in Berlin stattgefunden. Eines der Hauptthemen waren neue Konzepte im Wettbewerb zu Amazon. Insbesondere das Thema der taggleichen Zustellung von Produkten und Dienstleistungen an Kunden war eines der Kernthemen.

Es kristallisiert sich immer mehr heraus, dass der stationäre Handel seine existierenden dezentralen Läger immer mehr als einen entscheidenden Vorteil im Kampf gegen die Online-Händler nutzen möchte. Die Media Saturn Gruppe hat diese Woche bekannt gegeben innerhalb von 3 Stunden nach Bestellung den Kunden beliefern zu können. Das ist ein Wort.

Gleichzeitig wappnen sich die deutschen Lebensmittelhändler ebenfalls für den Wettbewerb mit Amazon. Die angeschlossenen Läger an den Supermärkten können und werden bereits für das Online-Lebensmittelgeschäft genutzt. LIDL experimentiert ebenfalls massiv in diesem Segment. Der Vorteil gegenüber reinen Online-Händlern ist die existierende Logistik, wobei lediglich die Zustellung der letzten Meile zum Kunden organisiert werden muss. Online-Händler müssten das erst zeit- und kostenintensiv aufbauen. Genau an diesem Punkt setzte auch Jerry Storch, Vorstandschef von Hudson Bay und neuer Eigentümer der Kaufhof AG, an. Er prognostiziert, dass Amazon eines Tages ebenfalls Warenhäuser haben wird. Das dies durchaus so sein kann, beweisen bereits aktuell Ladenlokale von Google, z.B. in London.

Das stützt zudem unsere Sicht, dass das digitale Geschäft und der stationäre Handel in einer wie auch immer gearteten Symbiose sich neu erfinden und co-existieren wird. Stationär und online werden sich einander bedingen, zumindest in vielen Bereichen. Schlagworte in diesem Kontext sind die Konzepte des Omni- bzw. Multichanneling. Jerry Storch kann auch so interpretiert werden, dass das auch als geschicktes Kooperationsangebot bzw. Gesprächsbereitschaft an Online-Händler zu verstehen ist. Denn es gibt nicht viele die bereits Warenhäuser besitzen und diese könnten zum Wohle aller Markteilnehmer intelligent und symbiotisch genutzt werden. Ein Shop-in-Shop System in den etablierten Warenhäuser ist aus unserer Sicht nichts anderes als der analoge Vorläufer des Affiliate Marketing im Web-Commerce.  Insgesamt ist das eine sehr interessante Perspektive für die Gestaltung zukunftsfähiger sowie symbiotischer Geschäftsmodelle.

Wenn sich dieser Trend weiter  so entwickelt, dann stellt sich aus theoretischer Sicht der Ökonomie die Frage, ob diese Online-Geschäftsmodelle von Amazon & Co. wirklich disruptiv im Sinne der Innovationstheorie waren und sind. Genau diesen Punkt werden wir das Thema in Kürze weiter am Beispiel Uber beleuchten und was das für das Geschäftsmodelldesign bedeuten wird. Die Diskussion dazu ist unter Experten im vollen Gange, nicht zuletzt deswegen, weil enorme Korrekturen bei den Unternehmenswerten dieser Unicorns gerade vollzogen werden. Wir berichteten dazu bereits hier.

Herzlicher Gruß
ihr Dirk Stein